Pressemitteilung
Jo Schöpfer & Norbert Fleischmann
19.03. – 14.05.2020

Jede Kunst hat einen Gegenstand – sei er ungegenständlich oder gegenständlich, dreidimensional oder flächig, sinnlich erlebbar oder rein konzeptuell. Jo Schöpfer und Norbert Fleischmann haben diese Prämisse über mehr als vier Jahrzehnte ihres künstlerischen Schaffens verinnerlicht. Dass die beiden Künstler im selben Jahr geboren wurden, ist reiner Zufall. Jo Schöpfers Arbeiten würde man im klassischen Sinne als Skulpturen bezeichnen, die Werke von Norbert Fleischmann als Malereien. Und doch verbindet sie eine gemeinsame Haltung, die solche scheinbar unmissverständlichen Zuordnungen aufbricht und sie zum Gegenstand einer intensiven künstlerischen Auseinandersetzung macht. Ihre Werke sind von beeindruckender Konsequenz – jedes für sich und mehr noch im Dialog.

Jo Schöpfer (*1951 in Coburg) lebt und arbeitet in Berlin. Seit Mitte der 1970er-Jahre bewegt er sich an der Grenze zwischen Bildhauerei und Architektur. Die grundlegende Konstante, die sich sozusagen immateriell durch sein Werk zieht, ist der Raum. „Immateriell“ deshalb, weil Raum nur dann erfahr- und erlebbar ist, wenn er „gebildet“ wird. Jo Schöpfer bildet den Raum durch Skulpturen und Strukturen, die er als Bronzegüsse realisiert: offene Behältnisse, wie etwa die Gruppe der Absinth Skulpturen; gefaltete Flächen (zigzag), freistehend auf dem Boden oder auf Sockeln, gliedern wie Paravents den Raum. Reliefs, deren Titel auf Boxen oder Regale verweisen, hängen an der Wand; daneben behaupten sich mit Leichtigkeit die feinen, meist aquarellierten Zeichnungen von Jo Schöpfer, denen der Künstler auf dem Blatt viel Platz einräumt. Formal würde man diese Arbeiten als ungegenständlich klassifizieren, aber das sind sie natürlich keineswegs – schon gar nicht in einem statischen Sinne. Sie sind gegenständlich und gegenwärtig in ihrer bestechenden Klarheit. Und sie konstituieren einen Raum, der uns als Betrachter unbedingt miteinschließt und in Bewegung hält.

Norbert Fleischmann (*1951 in Wien) lebt und arbeitet in Langenlois, Niederösterreich. Seine Auseinandersetzung mit der Malerei könnte man als enzyklopädisch in einem umfassenden Sinne beschreiben. Denn sie umfasst verschiedenste Stile und Genres, Motive, Malweisen und mediale Einflussnahmen, ja sogar Formen der Präsentation und Repräsentation. Um das frühe Schlüsselwerk malmaterial von 1999 gruppiert Norbert Fleischmann jüngere Werke, darunter das Gemälde eines barocken Spiegelsaals (heat) oder konkrete Malerei, die durch Blattgold veredelt und von einem vergoldeten Rahmen eingefasst ist (Rhodonit). Dem Interieur tappeti e libri scheint eine Schwarzweißfotografie zugrunde zu liegen, dem wabernden Ornament in iridescente die digitale Stofflichkeit eines computergenerierten Bildes. Ganz gleich ob es um gegenständliche oder ungegenständliche Malerei, um altmeisterliche Figuration oder moderne Abstraktion geht – malerisch gibt es wahrscheinlich nur wenige, die Norbert Fleischmann das Wasser reichen können. Aber er zelebriert die Malerei eben nicht als „Heros“, sondern macht den „Mythos“ der Malerei zum Gegenstand seiner künstlerischen Arbeit.

Wir würden uns freuen, Sie zur Eröffnung oder während der Laufzeit der Ausstellung bei uns begrüßen zu dürfen!
Die Eröffnung der Ausstellung findet am Mittwoch, den 18. März von 19 bis 21 Uhr statt.
Weitere Informationen zum Galerieprogramm und zu den beiden Künstlerinnen finden Sie unter:
www.sturmschober.com

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